August 4

Die Befruchtung des Himmels

Wenn die ganzen Felder schon ein bisschen ausgedorrt sind, weil es schon lange nicht mehr wirklich geregnet hat, braucht es ordentliche Schauer, damit wieder etwas wächst. Um den Himmel zu befruchten und zu stimulieren, gibt es also am Ende der Trockenzeit sogenannte Raketenfeste (auf Lao: Bun Bangfai), welche meistens von einem Dorf veranstaltet werden.

So wurden wir von Pia und Franzi übers Wochenende nach Paksan zu einem solchen Fest eingeladen. Nachdem wir unser eigenes Laos-Monopoly gebastelt und eine Hochzeit besucht hatten, fuhren wir in ein kleineres Dorf, bei dem schon die ganze Straße voller kleinerer Stände war, an denen man kleinere Raketen, Essen und Verpflegung kaufen und natürlich auch wieder Luftballon-Dart spielen konnte.

Wir setzten uns an einen Tisch mit ein paar Bekannten von Pia und Franzi und es fuhren Wägen mit lauter Musik vorbei, auf denen jede Gruppe ihr selbst gebasteltes bestes Stück präsentierte. Aber nicht nur die Raketen hatten etwas phallisches: Da der Sinn des ganzen Fests ja ist, die Felder und die Natur wieder fruchtbar zu machen, verkleideten sich viele Männer als Frauen, um den Himmel zu schocken, und einige hatten sich primäre oder sekundäre Geschlechtsorgane verschiedener Geschlechter umgeschnallt.

Später gab es dann mehrere Startplätze, an denen die Gruppen über elektronische Schaltungen oder Zündschnüre ihre Raketen starteten, und es wurde nach Höhe, Distanz und Aussehen bewertet. Die teilweise sehr großen, schätzungsweise bis zu 7 Meter langen Raketen explodierten übrigens nicht (zumindest nicht absichtlich), sondern stiegen nur mit ordentlich Rauch einige hundert Meter in die Höhe.

Dezember 21

Illegal nach Laos eingereist

Da vom 14­­­­­­.10. bis zum 16.10. ein Boat-Racing-Festival war, und wir deshalb am Freitag frei hatten, beschlossen Thies, Michi und ich gemeinsam nach Paksan zu den beiden anderen Freiwilligen dort zu fahren (wo wir schon einmal kurz waren). Franzi und Pia mussten am Freitag noch unterrichten, deshalb halfen wir ihnen beim Unterricht und übten Hörverstehen, indem wir mit den Schülern „Let Her Go“ von Passenger sangen. Nach dem Unterricht gingen Pia und ich dann für alle Pizza holen, was ich bis dahin, seit ich in Laos war, nicht gegessen hatte. Aber in Paksan gibt es recht gute Pizza, die uns Pia und Franzi nicht vorenthalten wollten.

Am nächsten Tag ging dann das Boat Racing Festival los und wir gingen zum Ufer. Dort war ein riesiger Menschen-Auflauf mit allen möglichen Ständen, vergleichbar mit einem Jahrmarkt. Die meisten waren natürlich Essensstände, es gab aber auch welche, bei denen man mit Dartpfeilen auf Luftballons wirft, andere Gewinnspiele und natürlich auch Stände von allen möglichen Sachen, die Werbung machen wollen. Wir bekamen Popcorn spendiert und setzten uns an den Fluss, um den Booten zuzugucken. Am Abend haben sind wir nochmal hingefahren um etwas zu essen, haben uns aber auch kurz einen Auftritt einer laotischen Band angeguckt. Zudem haben wir einen Autoskooter-Stand gefunden (!), den wir natürlich auch gleich ausprobieren mussten.

Sonntag fing sehr gemütlich an: Wir fuhren wir zu einem Restaurant am See bei den man in kleinen Holzhütten direkt am Ufer sitzt. Der Abend war dann quasi das Highlight des Festivals: Man konnte kleine Blumengestecke kaufen, bei denen man die Kerzen anzündete und sie dann aufs Wasser setzte. Als Thies allerdings unser Gesteck aufs Wasser setzte, kam ein Windstoß und alle Kerzen waren aus. Enttäuscht gingen wir also in ein Restaurant auf dem Wasser und wurden dort sogleich von ein paar Laoten angequatscht, ob wir nicht mit bei ihnen auf dem Boot fahren wollen. Also düsten wir kurze Zeit später auf einem Boot über den Mekong und konnten das ganze Spektakel von der Wasserseite aus sehen. Das sah alles sehr hübsch aus, man sah sehr viele Blumengestecke, die auf dem Wasser schwammen, Himmelslaternen, die über einem schwebten und sogar ein Boot aus brennenden kleinen Kerzen.

Das Boot hielt dann irgendwann an einer Anlegestelle. Wir warteten darauf, dass es zurück fährt, doch irgendwann wurde uns mitgeteilt, dass hier Endstation wäre. Also stiegen wir aus und liefen sogleich einem Grenzbeamten direkt in die Arme. Dieser fragte uns nach unseren Reisepässen, die wir immer noch nicht hatten, da mit denen ja in Vientiane unser Visum beantragt wurde. Dazu muss man eine Sache erklären: Wir sind mit dem Boot auf dem Mekong gefahren, der Fluss der in Paksan Thailand von Laos abgrenzt. Wir hätten also theoretisch von Thailand aus einreisen können.

Der Grenzbeamte nahm uns also mit auf die Grenzstation, wo wir erst einmal warten durften. Die Leute vom Boot beteuerten, dass wir nicht in Thailand angelegt hätten, sondern nur in Laos rumgereist sind, doch half das nicht wirklich. Schließlich wurde der Mentor von Pia und Franzi kontaktiert, und nach ganzen zwei Stunden diskutieren kamen wir dann irgendwann doch los mit der Ansage, dass das morgen zu Ende geklärt wird.

Am nächsten Tag mussten wir dann in das Office, unsere Passkopien dalassen, und darauf warten, dass der Mentor einen Anruf von dem Grenzbeamten bekommt. Schließlich war dann doch der Grenzbeamte war so gütig, es bei den Kopien zu belassen und wir durften nach Hause.

November 14

Besuch der Botschaft mit Besuch

img-20161002-wa0004Man hat es vielleicht schon auf meinem Blog (oder auf Facebook) an dem einen oder anderen Foto gesehen: Ich hatte für zweieinhalb Wochen Besuch. Thies ist momentan auch als Freiwilliger (allerdings ohne Organisation) in Kambodscha und so war der Gedanke gar nicht weit entfernt, dass er mal ins Nachbarland fährt und mich besuchen kommt. Also kam er am 2. Oktober erst nach Nakhon Phanom (der thailändischen Nachbarstadt) geflogen und fuhr dann mit dem Bus nach Thakhek. Da am 3. Oktober alle deutschen Menschen in Laos von der deutschen Botschaft eingeladen sind, wollten wir dann auch direkt weiter nach Vientiane, damit wir das img-20161002-wa0006Restwochenende dort verbringen können. Als ich es nach über zwei Stunden geschafft habe, einem Lehrer zu erklären, ob er mich zur Busstation fahren kann, damit wir zusammen weiter nach Vientiane können, verbrachte ich wieder drei Tage (ein Wochenende später als der letzte Eintrag) in der Hauptstadt. Wir kamen dann gegen Abend an, wo wir die anderen Freiwilligen (Michi war schon einen Tag vorher losgefahren, damit er einen Tag mehr hat) und sogar Tim, der gerade Erledigungen in Vientiane machen musste, begrüßen konnten.

Am 3. Oktober dsc00730suchten wir uns zuerst ein Tuk-Tuk mit dem wir dann zum Don Chan Palace fahren konnten, in dem die Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit waren. Auch wenn das Tuk-Tuk ein wenig knarzte und wir kuscheln mussten, damit es überhaupt losfährt, da sonst das Gewicht zu weit hinten wäre, kamen wir zur Überraschung aller heil an. Der Festsaal war riesig. Es wurden einige Reden gehalten, bei denen man aber aufgrund des Gemurmels im

Moritz und ich unterhalten uns mit dem deutschen Botschafter
Moritz und ich unterhalten uns mit dem deutschen Botschafter

Saal kaum ein Wort verstand. Dann eröffnete das Buffet, und es gab allerhand typisch deutsches Essen, welches ich lange nicht mehr gegessen habe, wie zum Beispiel Schnitzel, Würstchen, Kartoffelsalat und Frühlingsrollen. Außerdem gab es Sekt, Wein (der in Laos nicht gerade billig ist) und Bier, soviel man trinken konnte. Ich und einige andere Freiwillige fühlten uns ein wenig fehl am Platz zwischen den ganzen Anzugträgern, man konnte aber schon seinen Spaß haben und ich kann jetzt behaupten, dass ich ein Bier mit dem deutschen Botschafter getrunken habe. Außerdem spielte eine Band in dem Saal, die wir schon aus einem Pub kannten.

Einen Tag später bin ich dann zusammen mit Thies nach Paksan gefahren, das genau auf dem Weg zwischen Vientiane und Thakhek liegt, und wo die zwei anderen Freiwilligen Pia und Franzi leben. Da Pia aber, wie der Großteil der anderen Freiwilligen auch, krank war (keine Angst allen geht es wieder gut) erkundeten ich und Thies nur ein bisschen die Stadt und wir machten uns einen gemütlichen Abend. Am Mittwoch mussten wir dann aber auch wieder zurück nach Thakhek, ich hatte schließlich am Abend Unterricht.